Mein erster Tag in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Wir haben ehemalige Patienten gebeten, ihren ersten Tag in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu beschreiben. So verschieden die ehemaligen Patienten und ihre Erfahrungen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Texte, die von respektvoller Dankbarkeit bis hin zu verbitterter Wut alles widerspiegeln.
Wir als Redaktion haben uns viele Gedanken gemacht und lange diskutiert, wie wir mit diesen Erfahrungsberichten umgehen sollen – und ob es nicht sinnvoller wäre, manches nicht zu veröffentlichen. Wir stellen es nun in die Verantwortung der Leser, die Erfahrungsberichte entsprechend ihrer subjektiven Sichtweise einzuordnen und zu werten.

„Ich finde, dass diese Sicht auch dazu gehört! Meiner Meinung nach ist das definitiv ein großer Teil - auch der Probleme, die man mit der Therapie hat, und der unterschiedlichen Vorstellungen. Die Reflexion hält sich da-bei manchmal in Grenzen, definitiv wurde bei einigen noch nicht alles ver-arbeitet. Da ist noch ganz viel Wut, die in die falsche Richtung proji-ziert wird, und manchmal noch kaum Distanz zum Aufenthalt in der KJP raus zu lesen, und wenig Vertrauen, was die Schritte angeht, die ergriffen wurden. Man sieht von innen ja kaum, was einen wirklich quält.“

(A., ehemalige Patientin)

„Ich freue mich über die so intensive Mitarbeit unserer jetzigen und früheren Patientinnen und Patienten. Dies zeigt, dass es sich lohnt, die kreativen Fähigkeiten unserer Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht zu unterschätzen und zeigt auch, dass diese viel gescholtene junge Generation gerne bereit ist, Hochwertiges zu leisten, wenn sie die genügende Motivation entwickeln können. Diese Motivation versuchen wir dadurch zu steigern, dass wir zusichern, dass LabIRRinth nicht zensiert wird, und damit sind wir bisher immer gut gefahren. Dieses Mal sind in der Mitte des Heftes Texte einer solchen Authentizität abgedruckt, die mich durchaus verstört haben und ich mir nicht sicher war, ob sie so veröffentlich werden dürfen. Im gesamten Kontext zeigen sie jedoch überwiegend auch ein erstaunliches Reflexionsniveau und intensive Verarbeitung ihrer damaligen oft schwierigen Aufnahmesituation oder belastenden stationären Behandlung. Manche der Schreiben scheinen noch mitten in diesem Verarbeitungsprozess zu stecken, noch ohne große innere Distanz. Dennoch zeigen die Texte, dass ihnen die Zeit hier sehr präsent ist und ihnen so wichtig ist, dass sie sich die Mühe gemacht haben, darüber zu schreiben. Und die Behandlung hier hat vielleicht mit dazu beigetragen, dass sie trotz ernsthafter Erkrankung überlebt haben und zum Schreiben solch interessanter Texte in der Lage sind. Das gibt uns Hoffnung und Mut für unsere weitere Arbeit, bei der wir immer wieder schwierige Emotionen aushalten müssen.“

Dr. Gottfried Maria Barth, Oberarzt
 

E. (2011)

J. (2008)

A. (1999)

anonym (1998)

U. (1995)