Labyrinth

Erfahrungen zeichnen unser Leben.
Gute und schlechte.
Lehrreiche und weniger lehrreiche.
Schöne und schmerzhafte.

In besonders schweren Lebensabschnitten verliert man schnell die Orientierung. Man übersieht Wegweiser, kommt vom Pfad ab und verirrt sich im eigenen Labyrinth des Lebens. Man trifft auf Sackgassen, muss viele verschiedene Wege ausprobieren, manchmal auch Umwege, damit man aus diesem undurchschaubaren Irrgarten wieder herausfindet.
Die Tatsache, dass es einen Ausgang gibt, und man diesen nur mit viel Mut, Kraft und Selbstvertrauen suchen muss, vergisst man in schweren Zeiten. Man bleibt stehen, dreht sich im Kreis, verzweifelt, traut sich nicht die Hand nach Hilfe auszustrecken.

Wir, die Redaktion, haben diese Erfahrung gemeinsam.
 Denn auch wir haben uns in unserem persönlichen Labyrinth verlaufen.
 Allerdings haben wir Hilfe in Anspruch genommen und z.B. in der Kinder- und Jugendpsychiatrie  an unserem „Weg in die Freiheit“ gearbeitet. Die einen über einen längeren, die anderen über einen kürzeren Aufenthalt.
Jede von uns kann bestätigen, dass diese Zeit nicht einfach war, wir aber auch viele schöne Momente damit verbinden. Wir haben gelernt, unseren Weg wiederzufinden und weiterzugehen und dass es kein Zeichen von Schwäche ist, Hilfe anzunehmen, wenn man sich verirrt hat.

Um diese Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, Erinnerungen und Erfahrungen festzuhalten, aber auch um unseren Gedanken, Gefühlen, Ängsten, Wünschen und Träumen Raum zu geben, schreiben wir Texte, Gedichte und zeichnen Bilder, welche wir mit Euch teilen möchten. Wir versuchen damit, unsere eigenen Erfahrungen zu verarbeiten und vielleicht denen, die in ihrem Labyrinth noch nach dem richtigen Weg suchen, eine Hilfe zu sein.  Wir möchten außenstehenden Menschen einen Einblick geben und ihnen zeigen, was wirklich in uns vorgeht und wie wir uns fühlen.

Alle jetzigen und ehemaligen Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie Tübingen dürfen diese Zeitung mitgestalten. Jeder ist herzlich willkommen.

Seit neustem bietet unser Forum auch die Gelegenheit, sich über aktuelle Themen, Fragen oder interessante Themen austauschen zu können.

Wir freuen uns auf Euch!

In diesem Sinne wünschen wir euch viel Spaß auf dem Weg durch unser LabIRRinth.

Anto und Zwergdackel
im Namen des Redaktionsteams

 

(Labyrinth im Scharnhäuser Park, Ostfildern, September 2009)

 

Seit zehn Jahren schreiben und malen Patienten der Tübinger Kinder- und Jugendpsychiatrie Beiträge für die Patientenzeitung Lab-IRR-inth.
Die Beiträge bieten einen eindrucksvollen Einblick in das Erleben von Kindern und Jugendlichen, die kinder-jungendpsychiatrischer Hilfe bedurften. Jeder, der diese Zeitung liest, wird merken, dass unsere Patienten nicht in einer anderen, einer "verrückten" Welt leben. Aber die Welt stellt ihnen manche Fragen, die andere Menschen leicht übersehen.
Unsere Patienten haben den Namen dieser Zeitung selbst gewählt. Bewusst haben sie das Labyrinth als umwegreichen aber sicheren Weg zum Ziel verbunden mit dem Irresein. Sie versuchen damit die Stigmatisierung ihrer Lebensphase in unserer Therapie aufzuheben und auf deren Sinn hinzuweisen, auch wenn dieser manchmal nicht so leicht erkennbar ist.


Dr. Gottfried Maria Barth