Mama

Mama. Mama. Mama und ich. Du und ich. Dich und mich. Ich bin du, du bist ich.
Sehen die beiden sich nicht, ähnlich?
"Du siehst aus wie deine Mutter", "man sieht wer deine Mutter ist."
Mama und ich, wir sehen uns ähnlich.
Sehen, ist nicht sein und darum wollte ich mich befrein.
Doch manchmal glaubte ich, ich glich dir nur mehr, denn schau her,
hier auf diesem Bild, abgemagert und matt, nicht satt, bleich wie ein Blatt.
Ich bewundere immer dein knochiges Gesicht. Wenn ich ganz dünn bin, dann habe auch ich so ein Gesicht. Wir sind zwei Leichen, die einander gleichen.
Du bist du und ich bin ich. Doch im Gesicht, bist du ich und ich bin du und wir schauen uns beim reifen zu. Innerlich, bin ich ich und du bist du und wir schauen einander zu, doch wissen nicht, was wer denkt. Denn wir sind so fern und in Träumen so nah. Denn Mama, du bist die, die ich sah, in schlaflosen Nächten in der Einsamkeit, da haben wir uns in Gedanken vereint und geredet und verstanden und vertraut.
Doch in wirklichkeit gibt es immer eine von uns, die abhaut. Die gemeinsamen Zelte sind abgebaut und doch so nah, denn du bist die, die ich auf Fotos sah. Das Blonde Model, das Posiert, verschiedene Posen ausprobiert und ich eiferte dir nach und versuche den Weg weiter zu gehn, an dem du stopptest um nie wieder um zu drehn.
Nun sitze ich hier und merke erst jetzt, das du dich nebenan an deinen Rechner setzt.
Du schreibst Rechnungen, planst deinen Monat, das Jahr. Isst Schokolade, trinkst Wein und ich frage mich, weinst du vielleicht manchmal innerlich? Dein Mann, seine Geschichte, du bei ihm, deine Tochter, die dir schon fast tot erschien. Dein Vater, seine Geschichte, um dich herum Leid und Not, nebenbei die dauernde Angst, bald ist jemand Tot. Bleibst trotzdem bei uns und mit uns hier. Immer mit einem großen Ziel im Visier. Das du das durchhälst und weiter machst, wie selbstverständlich fasziniert mich, Mama, ich liebe dich.