Die Suche nach der Identität

Die Tatsache, dass man sich an die eigene Kindheit bis zu einem Gewissen Alter nicht erinnern kann, man sich auf Bildern zwar wiedererkennt, jedoch keine Gefühle damit verbinden kann, treibt einen in den Wahnsinn und ruft immer wieder die Frage auf, weshalb diese immense Lücke vorhanden ist.
Die Antwort auf solch eine mysteriöse Frage kann man nicht „pauschal“ gebe. Man versucht, den Gedanken daran erfolgreich zu verdrängen. Schließlich möchte man nicht irgendwelche Hypothesen in Bezug auf etwas aufstellen, für das man keine Beweise der Erinnerungen hat.
Genauso wenig möchte man sich irgendetwas einreden lassen, was durch Statistiken im Laufe der „Psychologischen Jahre“ erforscht wurde. Es mag sein, dass man sich nie wieder an das vielleicht Geschehene zurückerinnern kann, doch das ist einem wesentlich lieber, als irgendwelche banalen Vermutungen, wie beispielsweise die eines Missbrauchs, aufzustellen.
Genauso kann es passieren, dass man sich plötzlich oder Stück für Stück an diese Zeit zurückerinnern kann und erfahren wird, was wirklich vorgefallen ist bzw. ob überhaupt etwas vorgefallen ist, was zu solch einem „Fehlverhalten“ hätte führen können. Beides sollte man nicht abstreiten. Allerdings auch nicht beurteilen was von beidem einem lieber wäre.
Die Wahrheit zu erfahren, falls es solch eine geben sollte, macht einem einerseits Angst, aber die Vorstellung, nie etwas über diese wertvollen „verlorenen“ Jahre zu erfahren, macht einen andererseits sehr traurig. Denn ein Fotoalbum eines fremden Kindes ist für einen dasselbe, als wenn man in einem eigenen Fotoalbum herumblättern würde. Man hat absolut keinen Bezug zu diesem Kind, welches MAN SELBST sein soll...
Man müsste dieses Kind in sich wiederfinden, es wieder zum Leben erwecken und es als Teil des eignen Ichs anerkennen. Diese Suche ist allerdings alles andere als einfach. Im Gegenteil, sie ist wesentlich schwerer als die Suche nach einem verborgenen Schatz. Ein einst vergrabener Schatz besitzt nämlich eine Karte worauf der - wenn auch schwere - Weg gekennzeichnet ist. Im eigenen Fall muss man die Karte selbst zeichnen und sich letztendlich alleine auf die Suche danach machen.
Doch was geschieht, wenn man den Weg falsch einzeichnet hat, sich verirrt und dieses Kind nie kennen lernen wird? Wird die Enttäuschung dann nicht viel größer sein, als wenn man sich erst gar nicht auf diese Suche gemacht hätte?
In der Schule wurde einem beigebracht, dass jede Geschichte einen schönen Schluss haben sollte. Genauso erwartet jedes Kind einen tollen Schluss in einem Märchen. Das Leben hat nicht immer einen schönen Schluss. Denn das Leben ist weder eine erfundene Geschichte noch eine über Feen und Kobolde, Märchenlandschaften oder das Nimmerland. Nein, es geht es Einzig und Allein um die Realität …