Besuch im LTT-Theatersport

Es erinnert fast schon an eine Schule, wie alle geordnet in den großen Saal und zu ihren Plätzen gehen, als der große Ging ertönt. Ein zweiter Ging ertönt nur wenige Minuten später und alle blicken gespannt auf die Bühne. Dort steht nun ein Mann, der kleine bunte Dinge ins Publikum wirft. Diese erweisen sich als kleine Lärminstrumente. Der Mann wirft immer mehr davon ins Publikum, und jeder möchte eines ergattern, doch dies ist nicht allen vergönnt. Nach dem finalen Wurf von bestimmt zwanzig solcher Instrumente geht der Mann ans Mikro und stellt sich vor als Volker Quandt, unser Moderator für diesen Abend. Nach Absprache von Zeichen, die er uns geben würde, damit wir entweder anfangen oder aufhören würden zu applaudieren, stellte er die heutigen Kontrahenten vor.

Mit einem tosenden Applaus begrüßten wir die beiden Teams, die jeweils aus einem Mann und einer Frau bestanden, und den weiblichen Joker dieses Abends. In der blauen Ecke tritt Fortura Faust gegen Cookie Rampe in der roten Ecke an. Nach dem Hören – und von manchen auch Sagen – der Theatersporthymne geht es dann endlich los.
Die erste Disziplin war die „Fortlaufende Geschichte mit Buh“. Die Regeln sind relativ einfach: Die fünf Spieler bekommen einen Titel genannt und müssen hierzu eine Geschichte erzählen, der Moderator gibt mit einem Fingerzeig an, wer dran ist und wann ein anderer übernehmen muss, auch mitten im Wort. Obwohl sich das so zwar schon echt lustig anhört, ist das natürlich viel zu einfach, also werden in der Geschichte immer mehr Wörter verboten. Wer eines dieser Wörter nennt oder den Sinn der Geschichte grundlegend ändert, stellt sich zurück in seine Ecke und schämt sich. Das geht so lang, bis aus einem Team alle ausgeschieden sind.

Zu dem Titel „Sauwetter“ legten die Teams mit dem Angriff auf die Lachmuskeln los. Diese Runde geht nach Publikumsabstimmung an das rote Team und diese haben dann die Ehre, die Geschichte, natürlich mit einigen Voraussetzungen, zu Ende zu bringen.
Die nächste Aufgabe besteht darin, eine Szene in einem bestimmten Spielstil zu beginnen und in einem anderen zu beenden. Team Rot hatte die Aufgabe, im Stil von Rosamunde Pilcher zu beginnen und im Stil von Schiller aufzuhören. Die Rachegeschichte am Strand ist sehr gelungen und wird mit viel Applaus und Lachen belohnt. Team Blau spielt sich vom Stil von Lessing in den Stil von Loriot. Auch ihre Szene über eine Kreuzfahrt auf einem blauen Elefanten ist sehr gelungen, doch die Runde geht an Team Rot.

Als nächstes kommt die Herausforderung, bei der Team Blau Team Rot zu einem Wettkampf der Wahl von Team Blau auffordert. Die Herausforderung besteht darin, dass ein Team beginnt, eine Szene vorzuspielen und nach einer Weile spielt die andere Gruppe diese Szene in einem völlig neuen Spielstil weiter. Team Blau beginnt und spiel Team Rot eine Nachbarschafts-Diskussions-Szene vor, die Team Rot im Stil eines russischen Schreibers beendet. Team Rot beginnt die Szene mit dem Einzug in eine neue Wohnung, die von Team Blau im Cartoonstil zu Ende gebracht wird. Dabei bleibt kein Auge vor Lachtränen trocken und Team Blau gewinnt die Runde verdient.
Die letzte Runde in der ersten Halbzeit besteht darin, zu singen. Team Blau beginnt mit einem Lied über peinliche Situationen für einen Mann in einem coolen Funk-Stil. Kostüm und Song passen wie die Faust aufs Auge, dich leider ist nicht alles, was er singt, gut zu hören. Team Rot kontert mit einer Gospelchor-Bitte um Hilfe bei der Steuererklärung, die mit ebenso vielen Lachern belohnt wird wie Team Blau, welches diese Runde knapp gewinnt.

Nachdem wir die Teams nun ein wenig in Aktion gesehen haben, haben wir die Möglichkeit, in der Pause zu tippen, wie der Abend wohl ausgeht. Es besteht auch die Möglichkeit, einfach nur aufs Klo zu gehen. ;)

Mit einem lauten Tröten wird das Ende der Pause verkündet und alle begeben sich wieder auf ihre Plätze. Erneut marschieren die Teams ein und es geht weiter.
Die erste der fünf nun folgenden Herausforderungen ist zum Thema Sprache. Team Blau entscheidet sich für ein poetisches Stück in der Psychiatrie, das die Lachmuskeln stark beansprucht. Team Rot spielt in der Nikolaussprache bei einer alltäglichen Situation: beim Stallausmisten. Unseren Lachmuskeln bleibt keine Zeit zum Entspannen und noch am Kichern wird abgestimmt. Ein knapper Sieg für Team Rot.
Ohne Pause geht es sofort weiter zum nächsten Spiel. Es ist wieder Zeit zu singen, diesmal singen alle fünf zusammen ein Lied darüber, wie man sich an einem Streichholz vergiftet. Manchen von uns stehen vor Lachen schon Tränen in den Augen, als wir darüber abstimmen, welches Team mehr zum Gelingen des Liedes beigetragen hat und zwar mit knapper Mehrheit Team Blau.

Als nächstes steht das Duell auf dem Plan. Jeweils ein Spieler aus jedem Team tritt zu diesem Dialog mit dem Titel „Nachbars Katze“ an. Es gibt nur eine Regel: Die beiden wechseln sich satzweise ab, der erste Satz beginnt mit „a“, der zweite mit „b“ und so weiter bis „z“. Je weiter die beiden im Alphabet kommen, desto lauter wird das Lachen aus dem Publikum. Auch diese Entscheidung ist sehr knapp und auch diesmal gewinnt Team Blau.

An der nächsten Runde nehmen wieder alle teil, auch der Joker. Alle spielen an einer Szene an einem Taxistand vor einem Bahnhof und bauen dabei Zitate von Woody Allen ein, die der Moderator vorher auf der Bühne verteilt hat. Viel Applaus und mehr Lachen folgen dieser Szene, die Team Rot für sich entscheiden kann. Die letzte Runde besteht darin, dass einer aus dem Team sich nach vorne auf die Bühne stellte und über ein vorgegebenes Thema redet, mit den Armen hinterm Rücken, während der (oder die) andere hinter ihm steht und seine Arme ersetzt. Sowohl der Vortrag von Team Rot über Hilfe bei Stress im Alltag als auch das Seminar an der Uni über Kannibalismus bei Dinosauriern ist sehr gelungen, und die Entscheidung sehr knapp. Team Blau gewinnt das Spiel und somit auch den Abend. Auch bei den Tipps für den Verlauf des Abends gibt es einige Gewinner, die anschließend sofort auf die Bühne geholt werden und ihre Preise bekommen. Nach dem Schlusslied gibt es noch eine Zugabe. Ein Stoppspiel, bei dem immer auf das Ertönen einer Hupe hin alle erstarren, einer der beiden Spieler ersetzt wird und eine neue Szene beginnt. Danach ist ein durchaus gelungener Theatersport-Abend zu Ende. Die Teams laufen noch eine Ehrenrunde und verabschieden sich dann genau wie die Zuschauer.

CAT

Wer dieses Improvisationstheater selbst mal erleben will, kann sich hier informieren: www.harlekintheater.de