Mit Pauken in den Tag

Kleiner Einblick in die Klinikschule

Trommeln und mitreißende Rhythmen dringen durch das Treppenhaus und beschwingen jeden, der die Stufen zur Klinikschule hochsteigt.

Es ist 8 Uhr morgens und unterm Dach der KJP trommeln sich acht Schüler in ihrem gemütlichen Klassenzimmer für den Schultag warm. Es sind die jüngeren Schüler (1.-7. Klasse), die hier von zwei Lehrern unterrichtet werden. Gemeinsames Tun wie das Trommeln wechselt mit differenzierten Unterrichtsphasen ab, in denen komplexe Themen wie Steinzeit oder Astronomie bearbeitet werden. Es werden aber auch „ganz normal“ Mathe, Englisch, Deutsch und die anderen Schulfächer gebüffelt.

Ein Stockwerk tiefer geht es meist ruhiger zu. Hier erhalten die älteren Schüler (8.-12. Klasse) in fünf Räumen Fachunterricht. Lernplakate und Schülerbilder zieren die Klassenzimmer und eine ganz normale Tafel sorgt für die richtige Schulatmosphäre der Räume, in denen die Schüler nach Schulart und Stufe zusammengefasst in kleinen Gruppen oder auch einzeln unterrichtet werden. Zum Lehrerkollegium gehören Lehrkräfte aller Schularten, die auch mit der jeweiligen Stammschule Kontakt aufnehmen, wodurch meist eine enge, aber auch individuelle Anbindung an den Lernstoff der ‚Heimatschule’ ermöglicht wird.

Stehen Schulversuche oder Schulwechsel an, so wird auch dies von den Bezugslehrern vorbereitet und begleitet. Genauso individuell und flexibel wird im wöchentlich neu erstellten Stundenplan für jeden Schüler Fächerkanon und Stundenzahl festgelegt. Zur Zeit bieten wir in unserer kleinen Schulstelle sogar fünf Sprachen an (Englisch, Französisch, Spanisch, Latein und Russisch)!

Aber es wird nicht nur mit dem Kopf gearbeitet: In der Themenwerkstatt entstanden zum Beispiel „Guckkästen“, die einen in die Sahara oder nach Nepal entführen und im Deutschprojekt wird oft Theater gespielt. Zum Advent haben zwei Schüler sogar einen Schul-Adventskranz mit dem Tannenreisig aus der benachbarten Gärtnerei gebunden.
Manchmal gibt es auch gemeinsame Aktionen mit den Schülern der Tagesklinik. Zehn Schüler von der 2. bis zur 7. Klasse gehen dort tagsüber zu Therapie und Schule in die Klinik und abends wieder nach Hause.

Im Nachbargebäude befindet sich als ein weiterer kleiner, aber feiner Schulzweig: das BVJ. Dieses Berufsvorbereitungsjahr wird mit der Fachausrichtung Holz und Metall angeboten und schließt mit dem Hauptschulabschluss ab. Die Holz- und Metallarbeiten, die die Schüler des BVJ in ihrer Kellerwerkstatt anfertigen, werden auch auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt am „Schirm-Stand“ verkauft. Der Förderverein „Schirm e.V.“ unterstützt besondere Projekte in der KJP sorgt notfalls auch dafür, dass morgens unterm Dach genug Pauken vorhanden sind.


Jessica Sänger