Interview mit dem neuen Klinikseelsorger Pfarrer Bresch

Interview mit dem neuen Klinikseelsorger Pfarrer Bresch

LabIRRinth: Wie lange sind Sie schon Pfarrer?
Parrer Bresch: Ich bin seit 26 Jahren Pfarrer und habe das vorher studiert. Eine Zeitlang war ich auch Lehrer- ich habe Religion und Germanistik auf Lehramt studiert, bin also eigentlich auch Deutschlehrer.

L: Wie kommen Sie dazu, hier in der Klinikschule zu unterrichten?
Parrer Bresch: Weil ich Pfarrer bin in der Psychiatrie und damit auch in der Kinder- und Jugendpsychatrie. Zu den Aufgaben gehört einfach, dass ich hier unterrichte.

L: Macht es Ihnen hier Spaß?
Parrer Bresch: Meistens. Manchmal ärgere ich mich auch. Aber da geht’s mir wie anderen Leuten auch. Wenn man gut miteinander auskommt und zusammenarbeitet, macht‘s Spaß. Wenn man sich miteinander streitet, macht‘s weniger Spaß.

L: Was haben Sie gemacht, bevor Sie zu uns kamen?
Parrer Bresch: Ich war 17 Jahre lang in der Kirchengemeinde in Kilchberg und Bühl (Teilorte von Tübingen), habe dort Gottesdienste gemacht, Religionsunterricht in der Grundschule, Konfirmandenunterricht, Leute besucht zum Geburtstag, oder wenn es ihnen schlecht ging, Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und viele andere Dinge.

L: Unterrichten Sie außer Religion noch andere Fächer?
Parrer Bresch: Jetzt im Augenblick nicht. Ich hatte ja Deutsch studiert, aber ich habe mich damals entschieden, nicht Deutsch- und Religionslehrer am Gymnasium zu werden, sondern Pfarrer. Und deshalb unterrichte ich kein Deutsch.

L: Machen Sie auch Gottesdienste?
Parrer Bresch: Ja, jeden Sonntag in der Erwachsenen-Psychatrie gibt es einen Gottesdienst, immer im Wechsel mit dem katholischen Kollegen. Ihr seid auch herzlich eingeladen!

L: Was machen Sie drüben in der Erwachsenenpsychatrie?
Parrer Bresch: Haupttätigkeit ist, dass ich da bin und Zeit habe, wenn Leute sagen, ich will mal mit einem Pfarrer reden, ich verstehe Gott nicht mehr, verstehe die Welt nicht mehr, verstehe mich selber nicht mehr und vielleicht tut es mir gut, mit einem Pfarrer zu reden. Die Gottesdienste haben wir schon angesprochen. Und dann mache ich auch kleine Andachten, mittwochs bei den älteren Menschen auf der Geriatrischen Station und donnerstags im Andachtsraum für alle, die kommen wollen.

L: Was ist Ihre Lieblingsgeschichte aus der Bibel?
Parrer Bresch: Oh, da muss ich erst mal nachdenken. Ich finde die Geschichte von Josef in Ägypten sehr schön. Josef hatte 11 Brüder und er ist der Liebling des Vaters. Er wurde bevorzugt, was den anderen Brüdern nicht passt. Sie halten ihn für einen Angeber und sind sauer auf ihn. Sie überfallen ihn und verkaufen ihn als Sklaven nach Ägypten. Das ist ganz schlimm für ihn, er wird sogar unschuldig ins Gefängnis gebracht, aber, und das finde ich schön, Josef hat immer die Hoffnung, dass es weitergeht, dass wenn er seine Arbeit gut macht, Gott ihm schon helfen wird. Und tatsächlich kann er dem Pharao dann helfen, denn der Pharao hat Träume, die er nicht deuten kann, und Josef kann sie deuten. Und so wird Josef zum Vizekönig des Landes und kann den Menschen helfen bei einer Hungersnot. Am Ende versöhnt er sich auch mit seinen Brüdern und sagt einen schönen Satz: „Ihr habt Böses im Sinn gehabt mit mir, aber Gott hat es gut gemacht. So trage ich es euch nicht nach“.

L: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Parrer Bresch: Ich fahre gern Fahrrad, gehe gern spazieren, singe im Chor und lese gern

L: Was essen Sie am liebsten?
Parrer Bresch: Chinesisch mag ich gern, auch griechisches und spanisches Essen

L: Wenn Sie sich mit drei Adjektiven beschreiben würden, welche wären diese?
Parrer Bresch: Verlässlich (man kann sich auf mich verlassen) – das ist mir wichtig, einfühlsam (kann mich gut in Menschen hineinversetzen) und fröhlich (bin ein fröhlicher Mensch).

L: Gibt es etwas, was Ihnen besonders schwer fällt?
Parrer Bresch: Streit mag ich nicht, das fällt mir schwer. Und wenn ich ganz traurige Menschen habe und ich gar nicht weiß, wie das wieder besser werden soll mit ihnen und was ich machen soll. Hier in der Psychatrie gebe ich ja nicht nur Unterricht, meine Hauptarbeit ist, dass ich mit Menschen rede, wenn sie Fragen haben, Fragen, warum Gott das so macht z.B., dass sie krank sind, oder ob sie selber was falsch gemacht haben. Oder wie das überhaupt mit Gott zu verstehen ist. Da gibt es manchmal Leute, die gar nicht mehr weiter sehen. Das macht mich traurig.

L: Haben Sie als Kind gedacht, später mal Pfarrer zu sein?
Parrer Bresch: Nee, es gab mal eine Zeit, da wollte ich alles werden nur nicht Pfarrer. Mein Vater ist und war auch Pfarrer, jetzt schon lange im Ruhestand. Ich wollte ganz bestimmt nicht das Gleiche werden wie mein Vater, aber ich habe dann einen Religionslehrer gehabt, der mich sehr beeindruckt hat. Ich fand es einfach spannend, Theologie zu studieren, über Gott nachzudenken, über die Menschen nachzudenken und so bin ich dann doch Pfarrer geworden.

L: Was bedeutet für Sie der Glaube und wie wirkt er sich auf Ihr Leben aus?
Parrer Bresch: Glaube heißt für mich, Gott vertrauen in jeder Situation. Wenn ich fröhlich bin, zu sagen: super, danke Gott. Wenn ich nicht weiter weiß, zu sagen: hast Du eine Idee, Gott, wie ich das machen könnte. Wenn ich traurig bin oder wütend, zu sagen: ich verstehe dich überhaupt nicht, Gott, kannst Du mir das mal bitte erklären, das finde ich nicht richtig, was da gerade läuft. Also mit Gott innerlich zu reden wie mit dem besten Freund und ihm zu vertrauen, dass es irgendwie wieder geht, das heißt für mich Glaube.
Und das wirkt sich so aus, dass ich zum Einen merke, der Kontakt zu Gott ist etwas sehr Lebendiges in mir drin und zum Anderen führt es auch dazu, dass ich weiter weiß, dass ich über Tiefs hinweg komme. Und dass ich die schönen Stunden bewusster erlebe, wenn man Danke sagt. Ich hoffe, dass ich das verständlich gemacht habe.

L: Ja, das haben Sie und es war ein schönes Schlusswort! Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

Pfarrer Bresch ist seit dem 8. November 2010 hier, ist verheiratet und hat drei erwachsene Töchter.

Diana, Erik, Evelyn und Tim