Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor ziemlich genau 14 Jahren wurde das LabIRRinth als eine Internet-Patienten-Zeitung gegründet. Sie hat seitdem viele Phasen durchlaufen, ist aber dank des Engagements Ehemaliger nie zum Erliegen gekommen!

Als wir in der Klinikschule vor einem halben Jahr einen Projekttag zum LabIRRinth durchführten, war das Interesse groß, woraus sich schließlich die Idee einer Schulredaktion entwickelte. Diese Schulredaktion wurde nun vor zwei Monaten gegründet und besteht aus stationären Patienten/Schülern der Kinder- und Jugendpsychatrie. Von hier aus bekommen die Ehemaligen, die die letzte Ausgabe fast ganz alleine gestemmt und gefüllt haben, nun frische Unterstützung.

Mit diesem frischen Elan haben wir uns aber auch auf einen Gründungsanspruch der Zeitung besonnen: durch Sachinformationen Vorurteile und Klischees gegenüber psychisch Kranker abzubauen. So gibt es in dieser Ausgabe unter dem Thema Stigmatisierung zum ersten Mal einen inhaltlichen Schwerpunkt.

Bereits in der Antike haben die Griechen bestimmte Personengruppen mit einem Stigma (griech.: Stich, Brandmal) gekennzeichnet, um z. B. Sklaven, Verbrecher oder Verräter als rituell unrein und zu meidende Personen zum lebenslänglichen Außenseiter im wahrsten Sinne des Wortes abzustempeln und zu isolieren. Das äußere Brandmahl haben wir hinter uns gelassen, aber der Stigmatisierung im Kopf begegnet jeder, der einmal in der Psychatrie war oder ist. Aber wie viel ‚Normalität‘, Kreativität und Anderssein gerade in diesem Bereich lebt, zeigt schon das Titelblatt, das in Gemeinschaftsarbeit der Schüler entstand: Ein Labyrinth im Kopf? Ein Hirn voller Irrwege? Ein Hilfeschrei im Innern? Oder keimt im Kern des Problems schon die Lösung, die Hilfe? Auf jeden Fall geht der (Lösungs-)Weg über den Mund, da er Eingang und Ausgang markiert. Ein schönes Sinnbild für die Kraft des Wortes, der Sprache, die zur Verständigung, Klärung und Lösung eines Problems unverzichtbar ist. Aber auch einer Sprache, die sich in poetische Höhen aufschwingen und mit berührender Tiefe das eigene Innere in literarischer Form nach außen tragen kann. Diese zwei Aspekte, das klassische „prodesse et delectare“ („nützen und erfreuen“), finden Sie in dieser 8. gedruckten Ausgabe des LabIRRinths.

Jessica Sänger (Kliniklehrerin)