Studie: Betreuer auch nur Menschen

Tübingen (dpo) – Also doch: Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatie Tübingen haben das Verhalten des Pflegepersonals und der Therapeuten untersucht und sind dabei zu neuen Erkenntnissen gelangt.
„Besonders die Betreuer selbst sind ja der Meinung, dass sie unfehlbar sind“, erklärt L.Taylor, eine Sprecherin der Patientenschaft. „Aufgrund ihrer Machtposition ist solch eine Hybris auch nicht verwunderlich. Unsere Beobachtungen haben nun aber ergeben, dass sich unter der glatten Fassade tatsächlich echte Menschen verbergen, die Fehler machen, gute und schlechte Laune haben usw.“
Dieser Befund war für die Belegschaft der KJP zunächst ein Schock.
„Ich hätte nie gedacht, dass die Patienten uns jemals auf die Schliche kommen“, teilte Betreuer Manuel (Name von der Redaktion geändert) dem LabIRRinth mit.
Im Rahmen der Studie entdeckten die Patienten bei den Betreuern z.B. bestimmte Vorlieben und Abneigungen (manche Betreuer spielen etwa gerne Scrabble, andere essen keine Milchschnitte), sowie echte Charakterzüge (Albernheit, Zickigkeit uvm.), was dem allgemeingültigen Grundsatz des Betreuungspersonals („Wir zeigen keine Persönlichkeit“) widerspricht.
„Ich kann mir vorstellen“, sagt L.Taylor, „Dass der Umgang mit den Betreuern durch die Tatsache, dass sie auch nur Menschen sind, erheblich einfacher für uns Patienten wird.“

 

Tübingen (dpo) - Die schockierenden Enthüllungen vom 10. Juli 2012 über die Mitarbeiter der KJP Tübingen ("Betreuer auch nur Menschen") ziehen weite Kreise. Inzwischen häufen sich Berichte von ehemaligen Patienten der Klinik, die die Beobachtungen bestätigen.

Einige Betreuer wurden von ehemaligen Patienten außerhalb ihres Arbeitsplatzes in Begleitung von fremden Personen gesichtet - die Vermutung liegt nahe, dass auch Betreuer ein Privatleben haben und es sich bei besagten fremden Personen um Angehörige oder Freunde der Betreuer handelt.

Inzwischen kurisert jedoch auch eine neue Hypothese: Möglicherweise sind Betreuer nur eine besondere Art von Patienten mit Langzeitaufenthalten in der Einrichtung in der Osianderstraße. Dies würde manche der absonderlichen Verhaltensweisen dieser Personengruppe erklären.

Die ehemalige Patientin Nelly (Name geändert) berichtet, sie sei auf einem Spaziergang mit einer Betreuerin vor dieser geflüchtet, indem sie an der Calwer Straße in ein dort bereitstehendes Taxi gestriegen sei und dem Fahrer erklärt habe, sie würde von einer "Irren aus der Psychiatrie" verfolgt. Als der Taxifahrer gesehen habe, wie diese "Irre" aufgebracht an die Scheiben des Taxis tgetrommelt und versucht habe, sich schreiend mit dem Fahrer zu verständigen, habe der Taxifahrer keinerlei Zweifel mehr daran gehabt und Nelly nach Hause gefahren.