Depression

Die Scheibe ist kühl. Ich habe meinen Kopf gegen das Fenster gelehnt, weil er zu schwer ist. Irgendetwas drückt von oben auf mein Gehirn. Es ist Samstag und meine Mutter fährt mich zu meinem Pflegepferd. Ich habe versucht, mich zu weigern. Ich habe noch Hausaufgaben. Ich bin müde. Ich glaub, ich werde krank. Aber sie hat nichts gelten lassen. Lass dich nicht so gehen. Reiß dich zusammen.
Früher, ja, früher war ich gerne bei meinem Pferd. Es ist ein brauner Arabermix mit schwarzer Mähne und ich habe es geliebt, es zu bürsten und zu pflegen. Sogar das Ausmisten hat Spaß gemacht. Und dann das Reiten, ich war so begeistert, Schritt, Trab, Galopp, über ein Stangenkreuz springen oder ausreiten. Es war immer wunderschön.
Wir biegen die Straße in Richtung Stall ein. Alles in mir sträubt sich. Ich will nicht. Ich will nicht. Ich will nicht. Ich habe Angst. Wie, WIE zur Hölle soll ich es schaffen, aus diesem Auto zu steigen? Meine Arme und Beine fühlen sich an wie Brei. Ich wünschte meine Mutter würde weiterfahren, immer weiter, sodass wir nie anhalten und ich nie aussteigen muss. Wir halten an. Ich mobilisiere all meine Kräfte und öffne die Tür. Tränen steigen mir in die Augen. Warum, WARUM ist es so schwer? Ein Bein nach dem anderen, dann habe ich es geschafft. Ich hole meinen Reithelm aus dem Kofferraum und gehe in den Stall. Es stinkt. Die Sonne scheint zu warm. Alles ist scheiße.
Wenig später sitze ich im Sattel und reite auf den Platz. Ich schaue auf die Uhr. Zwanzig Minuten, das bin ich meinem Pferd schuldig, zwanzig Minuten, aber keine Sekunde mehr. Ich hasse reiten. Durch meine Adern fließt flüssiger Teer, schwarz und klebrig. Ich reite einen Zirkel. Durch die ganze Bahn wechseln. Eine Volte. Ich will antraben, doch mein Pferd gehorcht nicht. Blödes Viech. Mein Hals ist wie zugeschnürt. Schlechtes Gewissen. Ich liebe mein Pferd doch. Trotzdem. Tränen sammeln sich in meinen Augen und laufen schließlich über. Alles ist verschwommen. Ich dummes Depri-Ding. Was ist nur passiert, dass mir plötzlich nichts mehr Spaß macht? Dass ich mich am liebsten nur noch im Bett verkriechen würde? Dass alles so unendlich schwer ist? Alles geht kaputt und ich sehe zu. Bin zu erstarrt, um einzugreifen, kann mich nicht bewegen. Der stinkende Teer in meinen Adern lähmt mich. Hilfe.