Mein erster Tag in der KJP - E. (2011)

„Um 14:30 Uhr hast du einen Termin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zur stationären Aufnahme!“

Geschockt starrte ich den Arzt an, … stationäre Aufnahme … Kinder- und Jugendpsychiatrie …Termin um 14:30 Uhr … - die Gedanken überschlugen sich nur so in meinem Kopf, mein Magen verknotete sich, und langsam, aber deutlich wurde mir bewusst, dass meine Ärztin ihre Drohung bewahrheitet hatte … aber … ich dachte nur ein Vorstellungsgespräch? – Und jetzt?! - Stationäre Aufnahme! Ich hätte schreien können, am liebsten hätte ich um mich geschlagen, aber stattdessen sank ich in mich zusammen und ließ den Tränen freien Lauf … - klar denken konnte ich sowieso seit Tagen nicht mehr!

„Ich will da nicht hin! Nicht in die Psychiatrie! Nein! Nein! Nein!“

Aber was sollte ich tun?! Der Entschluss stand fest, keine Widerrede mehr möglich und so wurde ich dann auch kurz nach 2 Uhr von der Kinderklinik zur KJP gebracht … dort angekommen musste ich erst mal eine Weile auf den Psychiater warten, der dann alles Weitere mit mir und meiner Mutter besprach … ich war jetzt ein sogenannter „Krisenpatient“ und würde es so lange bleiben, bis sie einen Therapieplatz für mich ausfindig gemacht hatten! Ich klammerte mich an die Hoffnung, dass ich nach den 2 Wochen Krisenintervention keinen Platz bekomme und dann doch nach Hause darf … - aber vergebens …

Nach dem Gespräch hieß es dann Abschied nehmen. Die nächste Zeit würde ich keinen Besuch empfangen dürfen! Wieder standen mir die Tränen in den Augen und als ich von einer Betreuerin ins Krisenzimmer, das für die nächste Zeit meins sein würde, gebracht wurde, brachen die Tränen wieder aus und liefen nur so davon. Ich fühlte mich schrecklich, als ich an den neugierigen und teilweise auch abschätzenden Blicken der Mitpatienten vorbei ins Zimmer gebracht wurde; noch nicht einmal meine Tasche durfte ich selber tragen, geschweige denn auspacken … jedes Täschchen wurde genau nach verbotenen Gegenständen durchsucht, aber ich war zu müde, um mich noch darüber aufzuregen … als die Betreuerin dann kurz später mit einem genauen Tagesplan für mich wiederkam, war ich total am Boden: Liege- und Sitzruhe! Nicht unnötig bewegen! 3 bis 5 Mal am Tag Fresubin und kein Kontakt zu den Mitpatienten!

Ich fühlte mich total unverstanden und allein gelassen. So saß bzw. lag ich dann den ganzen restlichen Tag im Bett rum, von den Adleraugen der Betreuer beobachtet und weinte vor mich hin. Da die Türe zu meinem Zimmer offen stehen musste, kam ich mir gegenüber den Mitpatienten wie auf dem Präsentierteller vor. Jeder hatte freien Blick auf mich, obwohl ich eigentlich kaum von den anderen Patienten beachtet wurde. Auch als ich abends ausnahmsweise mit fernsehen durfte, kam ich mir wie aussätzig vor! Kein Wort wurde freiwillig mit mir gewechselt! Wenn ich etwas fragte, kamen nur knappe Antworten … also blieb nichts anderes übrig, als „dicht“ zu machen … keine Gefühle mehr ran zu lassen … kalt und unantastbar zu bleiben, bevor jemand erfährt, was eigentlich in mir abgeht! Ich war richtig froh, als der Tag ein Ende nahm und es in die Nachtruhe überging … erst noch die Badbegleitung hinter mich bringen und dann schlafen … auch wenn ich wusste, dass mir wieder eine schwierige Nacht bevorstand, eine Nacht voller Albträume und Kämpfe, eine Nacht, in der kaum geschlafen wird, eine Nacht in der man noch nicht mal von den Betreuern seine Ruhe hat … und doch wollte ich schlafen … schlafen, ohne am nächsten Morgen aufzuwachen ….!