Wann ich bemerkte, dass die KJP mein Zuhause war

 
Ab und zu war's mir schon rausgerutscht, dass ich zu Mitpatienten "Ich sag's dir dann daheim.", gesagt hab, wenn ich mit "daheim" eigentlich die KJP meinte.
Da  dachte ich schon kurz drüber nach, ob ich die Psychiatrie als "Zuhause" bezeichnen dürfte oder sollte. Ich war auch 'n bisschen geschockt, dass ich 'ne Psychiatrie anscheinend schon als mein Zuhause akzeptiert hatte. Ich hab mir aber nicht weiter Gedanken drüber gemacht.
So richtig gemerkt hab ich's erst viel später.
 
Ich hatte vor 'n paar Jahren 'ne OP und musste für 2 Tage im Krankenhaus bleiben. Es hört sich vielleicht gestört an, aber obwohl ich mich dort ziemlich schlecht fühlte und Angst hatte, war ich trotzdem lieber im Krankenhaus als Zuhause.
Ich fand's sogar 'n bisschen traurig nach Hause gehen zu müssen und 'n Teil in mir wollte dableiben. Auch wenn ich mich eigentlich hätte freuen sollen, weil ich wieder gesund war, wollte ich doch lieber krank sein.
 
Ein Jahr später, als ich schon 'ne Weile in der KJP war, hatte ich 'n Unfall und verletzte mich am Rücken. Ich musste für 'ne Nacht im Krankenhaus bleiben.
Es hat mich übelst angekotzt! Ich wollte unbedingt wieder zurück in die KJP und nur der Gedanke, dass ich 'ne ganze Nacht im Krankenhaus verbringen musste, hat mich übelst aufgeregt.
Ich hab versucht den Arzt und die Betreuerin zu überreden, dass es mir schon wieder gut ging und dass wir zurück in die KJP gehen konnten, obwohl ich eigentlich schon noch Schmerzen hatte. Aber es hat nichts gebracht, ich musste nunmal dableiben.
Ich hab die Nacht dort nicht so gut geschlafen, hab lange nachgedacht und mich gefragt, wieso ich so sauer bin, da ich Nächte im Krankenhaus früher eigentlich toll fand, weil die 'ne Art Zuflucht für mich waren. Und da war auch schon die Antwort.
Zuhause gab's bei mir jeden Tag Streit, Geschrei. Kein Wunder wünscht man sich da 'ne Nacht oder mehr, woanders verbringen zu dürfen. Auch wenn es bedeutet, dass man dafür krank sein muss.
Aber die KJP war für mich 'n Ort, den ich damals nicht verlassen wollte, jedenfalls nicht wegen so was. Nichtmal für eine Nacht, weil ich mich wohl und geborgen gefühlt hab. So wie man sich eben Zuhause fühlen sollte.
Tja, und seit dem Tag hab ich erst richtig gemerkt, dass die KJP schon lange mein Zuhause geworden war.
Auch wenn sich heute bei mir vieles verbessert hat und ich jetzt wirklich 'n richtiges Zuhause hab, in dem ich mich sicher fühl, vergess ich niemals, dass die KJP 'ne Zeitlang "daheim" war.