Die ersten Gedanken

Di. 27. Mai 08
Mann, hier kommen dauernd Leute rein und stellen sich vor. Als ob ich mir die ganzen Namen merken kann! Ich erinner mich nichtmal mehr an die Gesichter.
Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, ob des was bringt, wenn ich hier bleib. So depressiv wie jetzt, hab ich mich selten gefühlt. Aber ich versuch mal durchzuhalten, weil wenn ich jetzt wieder nach Hause geh, dann ist es spätestens in 'nem halben Jahr wieder des Gleiche. Ich glaub, ich muss einfach durch des Schlimmste, einfach die "Anfangsphase" überstehen und dann geht's mir wieder gut, richtig gut. Aber nein, länger als 3, 4 Tage will ich hier nicht bleiben. Ich muss wieder nach Hause. Ich kann meine Mutter nicht alleine lassen.
 
Immernoch Di. 27. Mai 08
Ich schreib dauernd nur. Man könnte denken, ich schreib Abschiedsbriefe oder so und stürz mich dann aus dem Fenster. Möglich wär's, hier hat's ja kein Gitter vor den Fenstern. Aber ich bin ja auch im Erdgeschoss. :-) Trotzdem, ich könnte ja immernoch abhauen ... wenn die Fenster aufgehen würden. :-)
Irgendwie hab ich noch gar nicht realisiert, dass ich hier bin. Des merk ich vielleicht erst heut Nacht.
 
Mi. 28. Mai 08, 12 Uhr :-)
Ich hock wie immer in meinem Zimmer. Hätt ich doch bloß mein Handy, dann würd mir nicht alles so einsam und langweilig vorkommen.
Heut morgen hab ich gedacht, ich könnte eigentlich schon so leben und dass es mir nach dem ersten Tag und der ersten Nach besser geht, aber des stimmt nicht, merk ich jetzt. Ich will nach Hause! Ich will wieder die Menschen um mich rum haben, die ich lieb. Ich will mich mit meiner Schwester streiten, fast nie meinen Bruder sehen :-) und mit meinem anderen Bruder über alles mögliche reden und die ganze Nacht Filme angucken. Ich will von meinem Hund "gebissen" werden :-) und ich will die Collage über meinem Bett und die Poster von Eminem sehen. Ich will nicht so 'ne kahle Wand sehen, die einen noch einsamer macht. Die könnten hier wenigstens Bilder aufhängen, da wird man ja verrückt.
Gott, die Nacht war voll scheiße! Ich bin schon so zwischen 20 und 21 Uhr ins Bett, weil ich nichts zu tun hatte. Voll komisch, um die Zeit wär ich vorm Fernseher und würde mit meinem Bruder reden oder bei meiner Freundin sein. Ich bin dann um 1 oder so wieder aufgewacht und ich glaub erst um 4 wieder eingepennt. Im Zimmer neben mir hat fast die ganze Nacht jemand geheult. Aber mich haben eigentlich meine eigenen Tränen wach gehalten. Und immer die gleichen Gedanken, wie ich hier gelandet bin. Es spielt sich immer wieder alles in meinem Kopf ab.
Hier hat's so 'ne Nachtwache, die guckt immer rein. So ab und zu macht die die Tür auf und guckt, ob alles in Ordnung ist. Ich fühl mich tagsüber schon voll beobachtet und dann kommt nachts auch noch irgendjemand rein und guckt, wie ich schlaf, oder was?! Und meine Uhr tut auch nicht mehr. Vielleicht ist es besser, dass ich keine Uhr hab. Ich würde sonst dauernd drauf gucken und des Ticken zählen oder so.
Ich muss jetzt aufhören, muss Fragebogen ausfüllen.
 
Ca. 14. 30 Uhr
Ich hab die Fragebogen ausgefüllt. Mann, hat des lange gedauert.
Gott, so langsam hab ich des Gefühl, ich verlier meinen Verstand. Ohne Scheiß! Ich will morgen heim! Wenn ich morgen nicht heim darf, dreh ich durch. Schon allein der Gedanke, dass ich noch 'n Tag und noch 'ne Nacht hier bleiben muss, macht mich fertig. Es geht mir ja eigentlich gut, aber mir fehlen alle. Wenn man nicht zur Schule geht und niemanden um sich rum hat, den man kennt und mit dem man lachen kann, hat man viel zu viel Zeit zum Nachdenken und zu viel ist nicht gut. Ich fühl mich voll als wär ich in 'nem Film oder so. Oder als würden meine Familie und Freunde gar nicht mehr existieren, weil ich gar keinen Kontakt mit dene hab. Die fehlen mir alle. Ich fühl mich voll verlassen. Schlimmer noch, als hätte ich alle verlassen. Im Stich gelassen?!