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Depression

Die Scheibe ist kühl. Ich habe meinen Kopf gegen das Fenster gelehnt, weil er zu schwer ist. Irgendetwas drückt von oben auf mein Gehirn. Es ist Samstag und meine Mutter fährt mich zu meinem Pflegepferd. Ich habe versucht, mich zu weigern. Ich habe noch Hausaufgaben. Ich bin müde. Ich glaub, ich werde krank. Aber sie hat nichts gelten lassen. Lass dich nicht so gehen. Reiß dich zusammen.
Früher, ja, früher war ich gerne bei meinem Pferd. Es ist ein brauner Arabermix mit schwarzer Mähne und ich habe es geliebt, es zu bürsten und zu pflegen. Sogar das Ausmisten hat Spaß gemacht. Und dann das Reiten, ich war so begeistert, Schritt, Trab, Galopp, über ein Stangenkreuz springen oder ausreiten. Es war immer wunderschön.
Wir biegen die Straße in Richtung Stall ein. Alles in mir sträubt sich. Ich will nicht. Ich will nicht. Ich will nicht. Ich habe Angst. Wie, WIE zur Hölle soll ich es schaffen, aus diesem Auto zu steigen? Meine Arme und Beine fühlen sich an wie Brei. Ich wünschte meine Mutter würde weiterfahren, immer weiter, sodass wir nie anhalten und ich nie aussteigen muss. Wir halten an. Ich mobilisiere all meine Kräfte und öffne die Tür. Tränen steigen mir in die Augen. Warum, WARUM ist es so schwer? Ein Bein nach dem anderen, dann habe ich es geschafft. Ich hole meinen Reithelm aus dem Kofferraum und gehe in den Stall. Es stinkt. Die Sonne scheint zu warm. Alles ist scheiße.
Wenig später sitze ich im Sattel und reite auf den Platz. Ich schaue auf die Uhr. Zwanzig Minuten, das bin ich meinem Pferd schuldig, zwanzig Minuten, aber keine Sekunde mehr. Ich hasse reiten. Durch meine Adern fließt flüssiger Teer, schwarz und klebrig. Ich reite einen Zirkel. Durch die ganze Bahn wechseln. Eine Volte. Ich will antraben, doch mein Pferd gehorcht nicht. Blödes Viech. Mein Hals ist wie zugeschnürt. Schlechtes Gewissen. Ich liebe mein Pferd doch. Trotzdem. Tränen sammeln sich in meinen Augen und laufen schließlich über. Alles ist verschwommen. Ich dummes Depri-Ding. Was ist nur passiert, dass mir plötzlich nichts mehr Spaß macht? Dass ich mich am liebsten nur noch im Bett verkriechen würde? Dass alles so unendlich schwer ist? Alles geht kaputt und ich sehe zu. Bin zu erstarrt, um einzugreifen, kann mich nicht bewegen. Der stinkende Teer in meinen Adern lähmt mich. Hilfe.
 

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[Bild] (Maria)

Vergiss nicht ...

Gedichte (Maria)

ICH!
WUT!
Ihr macht alles kaputt!
HASS!
Legt alles in Asche und Schutt!
ANGST!
Muss hier weg!
SELBSTHASS!
Bin nur Dreck!
VERZWEIFLUNG!
Springe! Fliege
Falle!
Bin nicht mehr da.
Das letzte was man sah:
Ein NICHTS!

 

Hilfe

Hilfe!
Ein nicht gerufener Schrei.
Gefesselt!
Nicht gefangen und doch nicht frei.
Bum, bum!
Ein nicht ausgeführtes Trommeln gegen die Wand.
Blitz!
Ein Messer in der Hand.
Ritz!
Schmerz!
Ein gebrochenes Herz!
Tod.

 

Klein und dumm
Blöd und stumm
Stinkend und dreckig
Hässlich und speckig
Fett und allein.
Kann das leben sein?

 

Einsamkeit

Ich will abheben, fliegen, gleiten,
meine Flügel ausbreiten.
Doch ich falle.
Ganz tief falle ich,
alles ist schwarz um mich.
Ich fühle mich so klein.
Meine eigenen Gedanken engen mich ein.
„Bitte, Lasst mich frei!“
Niemand hört meinen Hilfeschrei.
Ich warte auf den Aufprall
von meinem Fall,
der mich erlöst,
meine Seele aus meinem Körper stößt.
Damit meine Seele , leicht, aus der Dunkelheit dringt.
Ins Licht, dass neue Hoffnung bringt.
Dann kann ich endlich schweben
Und mich leicht in die Lüfte erheben.
Raus aus der Einsamkeit.

 

Bleib da

Ich flüstere: „Geh weg!“
Ich meine bleib da und halt mich fest!
Er geht.
Ich bin allein.
Sie vergessen mich.
Ich sage: „Ihr hasst mich!“
Und wünschte, sie könnten mir das Gegenteil beweisen.
Tun sie aber nicht.

 

Hassen

Hassen
Hassen
Alles hassen
Macht kaputt
Alles in Massen
Leg ich in Asche und Schutt

Hassen
Hassen
Alle hassen
Zerstört Liebe
Liebe in Massen
Zerstört deren Triebe

Hassen
Hassen
Mich hassen
Zerstört mich
Mein ich
Deshalb hasse ich dich

 

Stille!
Mein Wille,
gebrochen.
Die Worte gesprochen.
Nutzlos.
Ich bin hilflos.
Wünsche mich fort,
denke wieder mal an Selbstmord.
Du siehst mich an.
Ich sehe dann, du bangst,
sehe deine Angst.
Aber siehst du auch meinen Schmerz?
Mein blutendes Herz?
Mein Leiden
Verstecke ich unter Schweigen.
Ich bin allein, fühle mich klein, will nicht SEIN.
Ich ramme den Kopf gegen die Wand,
dann packt mich eine Hand.
Ein Schrei-
So frei!
Bin das ich?
Ja, mich
Packt es eiskalt
Ich verliere den Halt,
verliere die Kontrolle.
Darf sie nicht verlieren.
Trotzdem: Fixieren
Kälte, Hitze, Spritze.
Ich finde keine Ruhe,
denke an den nächsten Schritt,
denke an den glühenden Schnitt.
Unter dem Messer tritt Blut hervor.
Mein Tod ist das, was ich mir schwor.
Was soll mir das Leben
Jetzt noch geben?
Und im Fixierbett,
werde ich nur fett.
Doch bei beiden Dingen werde ich gehalten.
Gegen meinen Willen!
Gegen meinen Willen, muss ich such die Blutung stillen.
Das Blut rinnt an meinem Arm hinab- so rot.
Ich bin in Not .
Bald tot.
Ich bin nicht dumm,
deshalb bleibe ich stumm.
Es kommen immer neue Wunden.
Mein Körper ist schon ganz zerschunden.
Wie ich alles hasse,
was ich jetzt verlasse.
Nein!
Sie merken es früh genug.
Mein Leben ist Betrug.
Aber ich lebe.
SCHEISSE!

Ana

Ach Hilfe, nein
verlass’ mich nicht,
das darf nicht sein!
Tränen kullern über mein Gesicht.
Ich liebe, brauche dich so sehr,
doch mit jedem Bissen entfernst du dich mehr.

Ach Hilfe, nein
Verlass mich nicht.
Ohne dich bin ich klein,
verliere mein Gesicht.
Du bist mein Tod und auch mein Leben,
ohne dich kann es mich nicht geben.

Ich liebe dich!

Die Hand, die mich hält,
wenn meine Seele fällt,
existiert nicht mehr.
Ich vermisse sie so sehr.

Die Hand die mich fängt,
meine Gedanken lenkt,
ist nicht mehr hier.
Sie fehlt mir.

Die Hand die mich liebkost,
die mir spendet Trost,
wo ist sie hin?
Ich brauch sie, weil ich sonst nichts bin.

 

Nur ein kleiner Schritt,
dann stehe ich nicht mehr auf dem mit Butter geteerten Weg,
auf dem ich durchs Leben glitt.
Nun stehe ich auf einem rettenden Steg.
An mir bricht
sich das Licht.
So strahlend hell,
fast zu grell.
Ich schließe die Augen,
bleibe im Glauben:
„Bald bin ich frei!“
„Ja, bald ist es vorbei!“,
verspricht sanft die Stimme des Todes.
Ich gehe noch ein Stück.
Jetzt gibt es kein zurück.
Meine Füße sind noch mit Fett bestrichen,
von der Straße, von der sie wichen.
Ich gleite aus,
rutsche raus
aus der Dunkelheit,
aus der Grausamkeit,
aus dem Leben,
in den Tod.
 

Die Raupe

Fett und schwer liegt die grüne Raupe getarnt auf einem Blatt. Gemächlich räkelt sie sich in der Sonne. Hin und wider öffnet sie die Augen, die im oberen Bereich ihres wulstigen Gesichts sitzen. Dann blinzelt sie die Sonne ab, nur um ihre Stellung vielleicht etwas zu verändern und um dann die Augen wieder zu schließen und in einen ruhigen Schlaf sinken. So kann die kleine, grüne Raupe ganze Nachmittage verbringen. Nachts verkriecht sie sich an einen einigermaßen geschützten Ort, um dort weiter zu schlafen. Manchmal träumt sie. Dann ist sie irgendwo an einem hellen Ort unter lauter Blumen. Sie erhebt sich plötzlich. Sie FLIEGT! Dann sieht sie die bunte und vollkommene Blütenpracht von oben. Unbekannte Gefühle ergreifen Besitz von ihr. Doch der berauschende Zustand hält nur kurz an. Denn schnell, schneller als ihr lieb ist, erwacht die Raupe aus ihren fantastischen Träumen. Genauso schnell erkennt sie die bittere Wahrheit : Es ist nur ein Traum!
Nach einer weiteren traumerfüllten Nacht macht sich das kleine Wesen, wie jeden Morgen, wenn die warmen Strahlen der Sonne sie sanft wecken, auf die Suche nach Nahrung. Sie arbeitet sich Blatt für Blatt vorwärts. Alles verschwindet in dem rundlich werdenden Körper der Raupe. Sie hat zu wenig verstand um zu wissen, dass sie sich mit jedem Bissen weiter von der glücksseligen Schwerelosigkeit ihrer Träume entfernt. Denn jeder Biss macht sie massiger und träger. Genau das Gegenteil zu ihrem Traumbild. Doch woher soll das dumme, grüne Ding das denn wissen? Niemand hat es ihr erzählt oder auch nur ansatzweise erwähnt. Und sie selbst ist einfach nicht schlau und erfahren genug um es selbst herauszufinden. Also frisst sie einfach weiter.
So vergeht die Zeit. Die Raupe wächst und wird täglich fetter. Ohne sich große Gedanken um ihren langweiligen Tag zu machen, führt sie ihre täglichen Rituale fort: schlafen und essen. Nichts kümmert sie mehr. Alles was passiert hat eigentlich keine Bedeutung. Aber sie ist naiv und denkt nicht über den tieferen Sinn ihres Seins nach. Langsam kriechen also die tage dahin und erfüllen die Raupe mit nichts als Leere. Ein abgrundtiefes Nichts durchströmt das kleine Wesen. Aber das ist ihr nicht so recht bewusst. Noch nicht.
Als die Raupe einmal wieder auf einem Blatt liegt, blickt sie, nichts denkend, in den Himmel. Dort sind die wesen aus ihrem Traum! Das was SIE war! Geflügelte Tiere. Prächtige Schwingen gleiten leicht durch die Luft. Mit ihren farbenfrohen Flügeln flattern sie über den Blumen. Fasziniert beobachtet die Raupe das leise treiben in der Luft und spürt wie plötzlich ein sehnsüchtiges Ziehen durch ihren Körper fährt. Sie schaudert. Von einer inneren Sehnsucht getrieben, windet sich das arme Ding auf dem fein behaarten Blatt. Vielleicht wäre ein harter Untergrund besser gewesen, damit sie bei ihren verrenkenden Bewegungen ihren Körper, ihre Existenz spürt. Irgendwann fällt sie vor Erschöpfung in einen unruhigen, traumlosen Schlaf.
Als sie wieder aufwacht, robbt sie über das Blatt, auf dem sie geschlafen hat und sucht sich wieder einmal Nahrung. Sie nimmt alle anders wahr. Ihren Körper, ihre weiche, trockene Haut, die über das angenehme fast flauschige Blatt streicht, ihre Lunge, die sich mit jedem Einatmen füllt, sich ausdehnt und beim Ausatmen wieder schrumpft. Sie spürt sich. Aber sie fühlt sich nicht wohl. Nicht in diesem Körper. Frustriert kriecht die Raupe weiter. Beisst hier und da lustlos und gedankenverloren von einem Blatt ab. Aber sonst geschieht nichts. Wie jeden Tag. Was sollte denn auch passieren?! Alles würde immer so bleiben, wie es jetzt war. Natürlich! Sie robbt weiter und weiter, den Blick starr aus den Boden gerichtet. Weiter, weiter. Sie ignoriert den Drang nach oben zu schauen. Weiter, weiter. Sie ignoriert den Drang nach oben zu schauen. Weiter, weiter. Schließlich wird er zu groß. Sie blickt auf. Da! Schon wieder. Zwei von den mit Flügeln gesegneten Wesen flattern gemeinsam am klaren, blauen Himmel herum. Sie umkreisen sich immer wieder, lassen voneinander ab, entfernen sich voneinander, nur um Sekunden später wieder aufeinander zu zufliegen. Ihr Wunsch so zu sein wie sie, war übermächtig. Es muss einfach ein perfektes Leben sein. Traurig senkt die Raupe ihre kleinen glubschenden Augen wieder zu Boden. Sie ist hässlich. Sie hat einen langweiligen grünen Körper. Das Grün, mit dem die ganze Welt gefärbt ist. Vollkommen unscheinbar. Ihr länglicher Körper hat auch nichts hübsches. Er erinnert an den Körper von einer dieser fetten, weißen Maden, die sich immer unter Steinen oder in abgestorbenem Holz winden. Das ist ekelerregend! Sonst nichts. Auch ihr Gesicht ist alles andere als schön. Es hat etwas Abstoßendes. Sie ist ein kleines, unscheinbares Nichts im Vergleich zu den bunt schillernden Schönheiten die sich in der Luft präsentieren
Als der Tag sich zum Ende neigt, sucht die kleine Raupe Unterschlupf in einem morschen, schon löchrigen Baumstumpf. Nachts träumt sie wieder. Nur eins ist anders. Es fühlt sich unglaublich REAL an. Und als sie wieder aufwacht, weiß sie ganz genau, was sie tun muss. Sie würde auch fliegen können. Bald. Dann macht sie sich auf die Suche. Sie sucht einen geschützten Ort. Er muss recht hoch liegen, damit von unten keiner an sie heran kommt und versteckt, damit kein Tier aus der Luft sie erwischen kann. So schleppt sich das kleine Tier durch die Welt, immer weiter. Aber das ist egal. Es gibt schließlich keinen Ort, an den sie zurück müsste oder könnte. Sie hat kein Zuhause. Nach einer gefühlten Ewigkeit findet die kleine Raupe das Gesuchte. Eine große, alte Eiche ist ihr ins Auge gefallen. Sie steht auf einer sonnenbeschienenen, großen Lichtung. Verflucht noch mal! Da sind schon wieder diese flatternden Dinger. Vom neid getrieben wird die Raupe etwas wütend. Verfolgen diese Wesen sie jetzt etwa? Sie beschließt nicht weiter auf sie zu achten und kriecht weiter auf die mächtige, von der Sonne angestrahlten Eiche zu. Der Weg ist weiter, als er anfangs schien. Am Abend kommt sie schließlich bei dem großen Baum an. Leise rascheln die Blätter im Wind. Die Sonne neigt sich tief hinter die Berge und die letzten Strahlen dringen durch das dichte Blätterdach und werfen gespenstische Schatten auf den rauen Stamm. Heute Nacht schläft die kleine Raupe nicht. Nein, sie klettert ganz langsam den Stamm nach oben Ihre Kräfte lassen nach, aber sie ignoriert das. So, wie sie auch die bleierne Müdigkeit ignoriert, die sie vollkommen einhüllt. Schließlich kommt sie auf dem untersten Ast des Baumes an. Vielleicht ein bis zwei Meter über der Erde. Gemächlich und bedächtig kriecht sie weiter über den Ast, bis zu einer Verzweigung. Diesen platz hält sie für richtig. Jetzt handelt sie, trotz ihrer Schwäche, vollkommen nach ihrem Instinkt. Aus dem hinteren Teil ihres Körpers tritt ein feiner, sehr dünner, aber auch robuster Faden aus. Langsam dreht sie sich, damit sie sich in den fest gesponnenen Faden einwickeln kann. Die Fadenschicht wird dicker. Langsam aber sicher bildet sich eine feste Hülle, ein Kokon. Schließlich endet der Faden. Das Werk ist vollbracht. Dicht eingehüllt liegt die Raupe nun im Dunkeln. Plötzlich ist alles so still! So vollkommen ungewohnt! Sie weiß nicht, was jetzt passieren wird. Sie spürt nur zwei Dinge: tiefe Sehnsucht und eine unglaublich starke Schwäche., die sie zuvor noch nie gefühlt hat. Sie denkt nach. Woher kommt sie? Natürlich! Von dieser mächtigen Kraft geführt, hat sie während der Wanderung zu der Eiche nichts gegessen und kein Auge zu getan. Und das Weben des Kokons hat ihre letzten Kräfte aufgebraucht. Jetzt liegt sie da. Ängstlich. Unwissend. Erschöpft schläft sie ein. Sie träumt wieder. Wie so oft erscheinen wieder die prächtigen , fliegenden Wesen. Doch dieses Mal ist etwas anders. Die kleine grüne Raupe fliegt nicht. Sie schwebt nicht über den Blumen. Sie sieht nur andere geflügelte Tiere, die über der Blütenpracht flattern. Sie selbst kann ihnen nur zuschauen. Sonst nichts. Plötzlich entfernen sich die Bilder von ihr. Wie in einem dunklen Strudel wird sie rasend schnell in die Finsternis gezogen. Innerhalb weniger Sekunden weicht das fröhliche, bunte Bild und macht einer undurchdringbaren Schwärze platz. Dann erwacht sie. Schwer atmend und mit klopfendem Herzen liegt sie da. Jetzt kennt sie ihr ursprüngliches Schicksal. Sie wäre eines der wunderschönen Tiere geworden. Aber genauso sicher weiß sie jetzt, dass sie es nicht schaffen wird. Sie ist zu schwach um die große Verwandlung durchzustehen. Nun bleibt ihr nur noch eins: Warten. Warten bis die Dunkelheit sie einhüllt, warten bis das Leben aus hr entweicht, warten auf den Tod.
 

Das Samenkorn

Alles ist schwarz .So dunkel. So angenehm finster, trocken und warm. Es liegt schon so lange hier unten. Tief vergraben in der alles einhüllenden und düsteren Erde. Vielleicht hätte es noch ewig in diesem tiefen Schlaf gelegen. Vielleicht wäre es auch besser so gewesen. Doch es sollte nicht so sein.
Eines Tages dringt ein Tropfen Wasser zu dem kleinen Samenkorn durch die sonst so trockene erde. Das Wasser ist so kühl und nass, dass das Samenkorn ganz verschreckt von dem ungewohnten neuen Etwas die Augen öffnet. Das Samenkorn nimmt nun will oder nicht, die ganze Flüssigkeit in sich auf . Plötzlich erreicht ein zweiter Tropfen das kleine Samenkorn. Dann ein Dritter, schließlich ein Vierter und ein Fünfter. So geht es immer weiter, ohne dass sich das kleine Samenkorn dagegen wehren kann. Es quillt immer mehr auf. Die sonst so trockene, straffe und schützende Hülle wird immer weicher und dehnt sich aus. Langsam regt sich etwas im Inneren des Korns. Ein kleiner Spross wächst heran und dringt durch die Hülle. Jetzt nimmt das kleine Etwas die Erde ganz anders wahr. Ganz langsam gräbt sich der Spross , der aus dem Korn entstanden war, durch die Erde, die plötzlich nicht mehr so undurchdringbar schützend wirkt. Der Spross kann sich nicht wehren. Er durchbricht jede einzelne Schicht der erde , die ihm sonst immer so viel Schutz und Halt bot, die auch sonst immer ein Zuhause für ihn gewesen war. Jetzt entgleitet sie ihm. Ein Teil von ihm bleibt noch unten, aber sein Bewusstsein steigt immer weiter nach oben. Es gibt kein Entrinnen. Kein Zurück. Jetzt wir es langsam heller. Der zarte Spross bekommt Angst. Das Licht wird immer greller. Die stille Dunkelheit verschwindet und macht langsam aber sicher der unvertrauten, lauten und für den Spross schrecklichen Helligkeit platz. Der Spross hat jetzt seine sichere Welt ein für alle Mal hinter sich gelassen. Leise Verzweiflung breitet sich in im aus. Doch er wächst weiter. Unaufhaltsam gewinnt er an Höhe. Blätter treiben aus, die den Spross in eine kleine Pflanze verwandeln. Für einen Moment bieten sie ihr Schutz. Doch dann wächst sie weiter. Raus aus den einhüllenden Blättern. Höher und höher reckt sich der Stiel Richtung Himmel. Die Pflanze bekommt langsam einen Überblick, was alles hier oben ist und wächst. Hier ist alles farbig und lärmend. Außerdem hat alles eine erschreckende Weite. Sie scheint aber die Einzige zu sein, der hier oben alles zu ist. Alles um die Pflanze herum nickt freudig mit den Köpfchen und schaukelt zufrieden im Wind. Sie summen zusammen ein rauschendes Lied. Die Pflanze kann sich nicht überwinden mit zu singen. Jeder Versuch wider klein zu werden scheitert. Das Gegenteil ist der Fall. Schließlich öffnet sich der Kopf der kleinen Pflanze. Die Knospe, die sonst immer ganz oben saß, bricht auf und macht einer wunderschönen, farbigen Blüte platz. Die Trauer der Blume macht sie wunderschön. Fast unantastbar. Für einen Moment hören alle Pflanzen und Blumen auf zu singen und zu tanzen und betrachten mit Bewunderung, aber auch Neid die dunkle Blüte, die leicht gesenkt auf dem Stiel sitzt. Das Innere der Blüte scheint fast schwarz zu sein. Nach Außen hin verfärben sich die Blütenblätter bläulich. Am Ende der spitz zulaufenden Blütenblätter sind kleine bläulich, silbern schimmernde Punkte, die der Blume fast etwas majestätisches geben. Noch einen Augenblick lang ist es ganz still. Dann kehrt das Leben in die Welt zurück. Die Blume fühlt sich plötzlich so einsam. Obwohl hier oben viel mehr Leben ist, als in der dunklen Erde. Sie denkt daran wann dieses Leben vorbei ist. Wie lange sie noch durchhalten muss. Das Leben scheint ihr so viel Unbekanntes zu bringen. Das macht ihr Angst, denn eigentlich möchte sie das nicht.
So verstreichen die Tage, Nächte. Dann Wochen und schließlich Monate. Alles um die hübsche Blume wird ruhiger und träge. Das Leben schwindet. Es wird kälter. Einige Pflanzen und Blumen um die dunkle Blume herum verlieren ganz schnell ihre Energie. Sie lassen erst ihre sonst so fröhlich nickenden Köpfchen seufzend hängen, dann verfärben sich die im Sommer noch kräftig grünen Blätter erst gelblich, dann braun. Sie fangen an zu welken und gehen ein. Schließlich sacken sie in sich zusammen und vereinigen sich wieder mit der alt vertrauten Erde. Jetzt ist es die dunkle Blume, die neidisch und auch sehnsüchtig auf sie herabschaut. Noch viele Male muss die Blume mit ansehen, wie eine weitere Pflanze zu Grunde geht. Auch sie wird langsam etwas schwächer, aber sie weiß, es dauert noch eine Weile dauert, bis auch sie sich von dieser Welt verabschieden kann. Jetzt besteht ihr Leben nur noch aus warten. Ich wartet auf IHR Ende, auf Ihren Niedergang. Sie wartet darauf , sich endlich wieder ihrer alt vertrauten und geliebten Erde zu verbünden. Doch so weit sollte es nicht kommen. Als die Blume als eine der wenigen verbliebenen noch blüht, hört sie sonst noch nie gehörte Geräusche. Schritte. Erst sind sie noch weit weg. Dann kommen sie näher. Die Blume hat solche Geräusche noch nie gehört. Somit kann sie sie auch nicht zuordnen und sie kann auch nicht wissen, dass es Menschen sind, die da näher kommen. Sie kann sich auch nicht vor ihnen verstecken. Obwohl das vermutlich das Beste wäre. Schließlich bleiben die Menschen vor der Blume stehen und betrachten staunend die wunderschöne, finstere Blüte. Die Blume fühlt sich bedroht von der Größe der Menschen. Und sie deutet die Gefahr ganz richtig. Die Menschen beugen sich zu der zarten Gestalt der Blüte herunter und beginnen um sie herum zu graben. Die Blume kann ihr Handeln nicht nachvollziehen. Noch nicht.
Plötzlich macht es einen Ruck und die Blume wird in die Luft gehoben. Die Erde ist von nun an unerreichbar für die arme Blume. Könnte sie schreien oder weglaufen, würde sie das jetzt sicher tun. Aber sie kann es nicht. Also muss sie tatenlos ertragen von den Menschen weggetragen zu werden. Die Trauer hüllt die düstere Blume nun vollkommen ein.
Ab jetzt geschieht alles nur noch wie in einem Traum. Sie wird in einen Topf gepflanzt und an einen warmen und hellen Ort gestellt. Regelmäßig bekommt sie auch Wasser. Sie kommt schnell wieder zu vollen Kräften, auch wenn sich in ihr alles dagegen sträubt. Ihr wird klar, dass sie nie an den alten geschützten Ort unter der Erde zurückkehren wird. Eine bittere Erkenntnis macht sich in ihr breit: Sie würde ewig leben!
 

Mädchen tot 2&3

Mädchen tot 2-das eigne’ Scheusal
Trübe Augen,
fahles Gesicht,
die Hände erstarrt,
der Blick geht ins Nichts,
kalte Adern,
blaue Augen,
Mund ist offen,
keiner wird’s glauben,
sie wollte es
und ist es nun,
tot
und sie
wird ewig ruhn’
17 wird sie nie mehr sein,
das kleine Mädchen
nein,nein,nein

 

Mädchen tot 3-der erbitterte Kampf
Sie wollte nicht mehr leben,
dafür muss man was geben,
Augen zu und durch,
ohne Angst und Furcht

warum kann sie’s nicht tun,
gibt’s kein ,,für immer ruhn’?’’
von alleine geht es nicht,
darum schreibt sie ein Gedicht

es soll ihr letzter Abschied sein,
sie sieht es alles, klar und rein,
Papa, Mama, tut mir Leid,
werft weg das rote Sommerkleid

ich wünsche euch tagaus, tagein
ein Leben ohne Sorg’ , ganz fein,
jetzt heißt es,
Augen zu und durch,
hinabsteigen, zu dir, hindurch
 

Glück

Glück
Das Große erreichen,
die Sterne schon lange in der Tasche,
nie von Gottes Seite weichen,
zusehen, wie vom Paradies ich nasche

mal mit beiden Flügeln fliegen,
nicht mehr suchen,
endlich einen Fein besiegen,
nie mehr über alles fluchen

den Unendlichen berühren,
sich dem Leben hingeben,
endlich nur noch Frieden spüren,
mal auf Wolke 7 schweben
Angst vor’m Ergebnis

Tu dir nicht weh

Tu dir nicht weh
Nun stehe ich am Abgrund hier,
wieso
ich alleine,
wieso
kein wir?
Ich sehe keinen Weg vor mir,
wieso
ich alleine
wieso
steh ich nicht vor dir?

Ich such das Unvergessliche,
wieso
seh’ ich das Hässliche
wieso
das Verbesserliche
wieso

ich sehe andre Leben leben
wieso
kann ich dir nicht mehr geben
wieso
kann kein Dickhäuter schweben?

Ich höre so lachen
Ich geh’
Ein Dickhäuter lässt’s krachen

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