Kämpfer

Kämpfer

Da denkst du dir, es ist geschafft,
du hast dich endlich aufgerafft,
jetzt wird es steil nach oben gehen,
wirst Himmel weit und Sonne sehn.

Stattdessen stehst du bald im Wald
Und auch der Weg, so klar er war,
ist wieder dunkel, trüb und kalt,
als wäre er dies immerdar.

Doch nein, verzweifle nicht,
du Kämpfer, bald kommt wieder Licht,
du Kämpfer, kannst du´s mal nicht sehn,
du Kämpfer, musst du weiter gehn.

Denn eins steht eben fest,
das Leben leben lässt
sich nicht auf gradem Weg,
und manchmal läuft was schräg,
geht aufwärts oder ab,
mal breit die Bahn, mal knapp.
Drum laufe, Kämpfer, lauf!
Gib alles, nur nicht auf!

Was ich so tu

Ich

holper

und polter

und ruckel

und zuckel

und stolpere so durch den Tag

Ich

weine

und lache

und schreie

und mache

was immer ich eben so mag

Ich

liebe

und lobe

und hasse

und tobe

und fühle mit ganz viel Gespür

Ich

zitter

und bebe

und atme

und lebe

und weiß aber gar nicht wofür

Zu zweit und doch allein

Die Lippen rot.
Die Augen schwarz.
Ich stehe im Bad und schminke mich. Die Hand, in der ich den Kajal halte, zittert leicht, der Rahmen um meine Augen wird zu breit. Egal. Ich tusche meine Wimpern, dann zeichne ich die Konturen meines Mundes mit einem feinen Lipliner nach und male ihn schließlich mit meinem Lieblingslippenstift aus. Zufrieden betrachte ich mein Werk im Spiegel. Ich lächle. Mein Zahnfleisch wirkt neben den dunkelroten Lippen seltsam verletzlich. Ich greife noch einmal in meine Haare und bringe sie mit meinen Fingern in Form.
Dann gehe ich zurück in mein Zimmer, das lange Kleid schwingt sanft bei jedem Schritt, die lila Stoffbahnen umspielen meine Beine. Mein Füße sind nackt.
Ich freue mich auf den Abend. Ich habe mir etwas Besonderes einfallen lassen, damit ich nicht alleine feiern muss. Zwei Stühle stehen in meinem Zimmer bereit, gegen die Lehne des einen habe ich einen Spiegel gestellt.
Ich schließe die Tür ab, dann hole ich eine Flasche Wein aus der Sockenkiste meines Kleiderschrankes, Rotwein, außerdem zwei große Gläser. Das eine stelle ich vor den Spiegel auf die freie Sitzfläche und fülle es vorsichtig. Ich selbst lasse mich auf dem Stuhl gegenüber nieder und schenke mir ebenfalls ein. Im Spiegel beobachte ich jede meiner Bewegungen. Die offene Flasche stelle ich griffbereit neben mir auf den Boden.
Ich hebe das bauchige Glas, die rote Flüssigkeit schimmert, und nicke meinem Spiegelbild zu. Das Mädchen im Spiegel tut es mir nach.

Die Reise zu IHR ins NICHTS.....

Letzte Nacht, träumte ich wieder von der Fahrt ins NICHTS!

Ich sitzte im Zug und Fahre wieder zu ihr, meiner Mom..... zumindest hoffe ich es.

Ich denke darüber nach, wie es sein wird, sie endlich wieder zu sehen, nach so langer zeit & dann überlege ich, was ich ihr sagen möchte und was wir unternehmen. Ich habe ihr so viel zu sagen, z.B. was in der zeit, in der sie weg war, alles passiert ist und dass sie mir so sehr gefehlt hat. Ich bin gespannt wie sie aussieht oder wie sie reagiert, wenn sie mich sieht, doch dann kommt wieder der gedanke, sie nicht stolz auf mich sein wird, denn in den letzten 4 Jahren ist so viel passiert. Ich habe viel scheiße gebaut. Ich hab Alkohol gedrunken und hab dass rauchen angefangen & ich bin dick geworden. Als sie noch da war, war ich dass liebste kind, dass man sich vorstellen konnte. Ich bin nie lang unterwegs gewesen, hab immer im Haushalt mit geholfen und war richtig gut in der Schule gewesen. UND dann kam der Tag, an dem sie ging und für mich eine Welt zusammen gebrochen ist.

Tag der Offenen Tür 2012 (Kinder- und Jugendpsychiatrie Tübingen)

Am Sonntag, 14. Oktober 2012, fand von 13 bis 18 Uhr ein "Tag der Offenen Tür" in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Tübingen statt.

Das LabIRRinth hatte einen eigenen Stand, an dem unsere Ausgabe 9 verkauft wurde - druckfrisch und eigenhändig gefaltet und getackert. Die Besucher konnten die bisherigen Ausgaben 1-8 anschauen - und wir hatten ein Rätsel über die KJP vorbereitet, das man vor Ort ausfüllen und bei genug richtigen Antworten (wir waren großzügig! ;) ) einen Preis gewinnen konnte, z.B. einen unserer LabIRRinth-Buttons (s.u.) oder einen Glückskäfer.
Zur Ansicht hatten wir auch Bücher dabei, u.a. "Reif für die Klapse", ein Buch der KJP Düsseldorf, "Das Eismeer in mir", ein Buch der KJP Wilhelmsstift in Hamburg, und Miriams "Blaue Flügel". Zwischendurch konnte man sich bei uns mit bunten M&Ms stärken.

Außerdem konnte man bei uns die LabIRRinth-Sonderausgabe der Tagesklinik erhalten.

Wir hatten an diesem Tag sehr viel Spaß und haben uns über die vielen Besucher an unserem Stand gefreut, darunter auch viele ehemalige Patient(inn)en.

Ausflug zum Bogenschießparcours

Eine Handvoll sich in psychiatrischer Behandlung befindende Jugendliche läuft mit Pfeil und Bogen bewaffnet durch den Wald. Klingt wie der Anfang eines Horrorfilms, ist es aber nicht. Nur der Ausflug der KJP zum Bogenschießparcours. Feste Schuhe an den Füßen geht es los. Der Boden ist matschig und man kommt leicht ins Rutschen auf den schmalen Wegen, die mal auf- und mal abwärts führen.
Das erste Ziel – ein Gummifuchs – ist bald von Pfeilen durchbohrt. Und so geht es weiter, Murmeltier, Dachs und Bär haben nichts zu lachen.
Am Ende wird noch auf das Fliegende Schwein geschossen, eine Wildsau, die an einer Seilbahn hängt.
Zurück am Ausgangspunkt werden die Schuhe gewechselt und mit Bögen und Pfeilen im Kofferraum verstaut. Ein wenig erschöpft, aber glücklich geht es zurück in die Klinik.

Nr. 9

Am 14. Oktober 2012 ist pünktlich zum Tag der Offenen Tür in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Tübingen unsere Ausgabe 9 erschienen, die man auf Anfrage auch weiterhin bei uns erhalten kann. Diese Ausgabe wird voraussichtlich auch auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt am Stand des Fördervereins Schirm e.V. verkauft werden.

Da wir all unsere Zeit in die gedruckte Ausgabe gesteckt haben, ist die online-Ausgabe bisher noch sehr unvollständig - wir arbeiten daran, Euch in den nächsten Wochen hier Stück für Stück die Ausgabe 9 präsentieren zu können.

Eure LabIRRinth-Redaktion

Mein erster Tag in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Wir haben ehemalige Patienten gebeten, ihren ersten Tag in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu beschreiben. So verschieden die ehemaligen Patienten und ihre Erfahrungen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Texte, die von respektvoller Dankbarkeit bis hin zu verbitterter Wut alles widerspiegeln.
Wir als Redaktion haben uns viele Gedanken gemacht und lange diskutiert, wie wir mit diesen Erfahrungsberichten umgehen sollen – und ob es nicht sinnvoller wäre, manches nicht zu veröffentlichen. Wir stellen es nun in die Verantwortung der Leser, die Erfahrungsberichte entsprechend ihrer subjektiven Sichtweise einzuordnen und zu werten.

„Ich finde, dass diese Sicht auch dazu gehört! Meiner Meinung nach ist das definitiv ein großer Teil - auch der Probleme, die man mit der Therapie hat, und der unterschiedlichen Vorstellungen. Die Reflexion hält sich da-bei manchmal in Grenzen, definitiv wurde bei einigen noch nicht alles ver-arbeitet. Da ist noch ganz viel Wut, die in die falsche Richtung proji-ziert wird, und manchmal noch kaum Distanz zum Aufenthalt in der KJP raus zu lesen, und wenig Vertrauen, was die Schritte angeht, die ergriffen wurden. Man sieht von innen ja kaum, was einen wirklich quält.“

(A., ehemalige Patientin)

„Ich freue mich über die so intensive Mitarbeit unserer jetzigen und früheren Patientinnen und Patienten. Dies zeigt, dass es sich lohnt, die kreativen Fähigkeiten unserer Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht zu unterschätzen und zeigt auch, dass diese viel gescholtene junge Generation gerne bereit ist, Hochwertiges zu leisten, wenn sie die genügende Motivation entwickeln können. Diese Motivation versuchen wir dadurch zu steigern, dass wir zusichern, dass LabIRRinth nicht zensiert wird, und damit sind wir bisher immer gut gefahren. Dieses Mal sind in der Mitte des Heftes Texte einer solchen Authentizität abgedruckt, die mich durchaus verstört haben und ich mir nicht sicher war, ob sie so veröffentlich werden dürfen. Im gesamten Kontext zeigen sie jedoch überwiegend auch ein erstaunliches Reflexionsniveau und intensive Verarbeitung ihrer damaligen oft schwierigen Aufnahmesituation oder belastenden stationären Behandlung. Manche der Schreiben scheinen noch mitten in diesem Verarbeitungsprozess zu stecken, noch ohne große innere Distanz. Dennoch zeigen die Texte, dass ihnen die Zeit hier sehr präsent ist und ihnen so wichtig ist, dass sie sich die Mühe gemacht haben, darüber zu schreiben. Und die Behandlung hier hat vielleicht mit dazu beigetragen, dass sie trotz ernsthafter Erkrankung überlebt haben und zum Schreiben solch interessanter Texte in der Lage sind. Das gibt uns Hoffnung und Mut für unsere weitere Arbeit, bei der wir immer wieder schwierige Emotionen aushalten müssen.“

Dr. Gottfried Maria Barth, Oberarzt
 

E. (2011)

J. (2008)

A. (1999)

anonym (1998)

U. (1995)

Rätsel (zum Tag der Offenen Tür in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Tübingen)

1. Wann wurde die KJP Tübingen in der Osianderstraße gebaut?
A) 1952
B) 1977
C) 1996

2. Wie viele Kindersitzerhöher für das Auto besitzt Station 2?
A) 5
B) 7
C) 3

3. Welchen Spitznamen hat das Gebäude der Tagesklinik?
A) Pferdebox
B) Hasenstall
C) Vogelkäfig

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