Weblog von Katharina

Krankhaft

Mein Anwalt – ich?
Die Faust auf den Tisch
Unschuldig!, ruft er
- Vergeblich

Die Anklage – ich?
Springt vom Sitz
Schuldig!
Mein Anwalt: Vergebung!

Der Richter – ich?
Bellt trotz meinem Flehen
Ob meiner Vergehen
Sein Urteil

Den Kopf bedeckt
Zum Auto geschleppt
Werde ich
In Krankhaft gesteckt

- Ich hoffe auf Bewährung

Heute

 

Heute ist düster, heute ist anders
Ich denke: ich will nicht
und nicht mehr: ich kann das

Will im Bett liegen und weinen,
ich lieg im Bett, doch ich wein nicht
Meine Mühen erscheinen

so sinnlos.

Heute ist schwierig, heute ist schwer,
ich möchte nicht los,
aber möchte ans Meer,

hab Träume so groß,
aber ich bin so klein
Kann das nicht einfach vereinbar sein? 

Frierfreitod

 

Die Sterne funkeln über dieser Welt

ob ihnen gefällt

wie ich hier laufe

 

Und die erste Flasche

und die zweite Flasche

absoluten Vodka saufe

 

Meint ihr sie können mich sehen

und vielleicht verstehen

warum ich hier laufe

 

Ob sie auch frieren wie ich

die Nacht ist winterlich

es liegt Schnee

 

Was sie wohl von mir halten

wie ich wankend im kalten

Wald verharre

 

Wie ich nach hinten kippe

ein Abschied auf der Lippe

und erstarre

 

Immer noch funkeln die Sterne

mein Leben rückt in die Ferne

das hatte ich vor

 

Die Sterne sie rufen nach mir

während ich langsam erfrier

ich steige empor

Schaff mich hier weg

Ich trotzte gar wild und bissig,
dem Leben voll Leid, dass mir schwant,
doch nun wird mein Widerstand rissig,
längst habe ich es geahnt.

Es ist schon so lang, dass ich kämpfe,
mit tönernen Waffen mein,
doch Sieg gegen finstere Mächte,
soll für mich einfach nicht sein.

Frei bin ich schon, doch gefangen,
von Schwaden in Schwarz und Rot,
die stinkend ganz in mich gelangen
und eigentlich bin ich schon tot.

Am Leben gehalten, doch siechend,
mein Atem ist faulig wie Pest.
Ich gehe schon lange mehr kriechend
Und doch hält die Welt mich hier fest.

Komm süßer Tod und umfange mein,
bring mich nur weit weg von hier,
Krankheit wird immer mein Leben sein
Und dann bin ich lieber bei dir.

Verteidigung schädigender websites im Internet

 

Natürlich weiß ich, dass es meiner geistigen Gesundheit nicht zuträglich ist, wenn ich mich auf Blogs herumtreibe mit Namen wie „Death-Obsession“ oder „The-Skinny-Dove“. Wenn ich mir Bilder von viel zu dünnen Armen und Beinen ansehe und mich mit depressivem Gedankengut auseinandersetze. Natürlich weiß ich, dass ich mich bewusst in die Essstörung hineinbegebe, wenn ich mich mit anderen vergleiche und dass meine Suizidgedanken nicht besser werden, wenn ich jeden Tag verzweifelte Postings lese oder schreibe, ich weiß, dass ich mich isoliere, wenn ich mich ganz mit meinem Leid identifiziere und doch war das Internet, mit all seinen „ungesunden“ Seiten, Texten und Bildern, wie ein Freund, der mich mit offenen Armen empfing und mich vor allem verstand. Ich war nicht allein mit den Empfindungen, Gedanken und Gefühlen, die mir mich in der „echten“ Welt wie ein Wesen vom anderen Stern vorkommen ließen. Und ja, das virtuelle Netzwerk, das ich um mich sponn, war ein anderer Stern, aber es fühlte sich richtig an und ich fühlte mich geborgen. All die Menschen, die Ähnliches erlebten wie ich, die mir mit einem aufmunternden Wort beiseite standen, oder von denen ich einfach erfuhr, dass ich nicht die einzige Kaputte auf der Welt bin. Ich werde sie wohl niemals zu Gesicht bekommen und dennoch empfinde ich eine tiefe Liebe zu diesen Menschen. In dieser Zeit, in meiner Verfassung, tat diese kranke, weltgelöste Gemeinschaft meiner Seele gut, denn es war gemeinschaftliche Krankheit und ich war nicht allein. Ich schätze die Zeit auch im Nachhinein, obwohl ich weiß, dass sie einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet hat, dass ich mich tief und tiefer vergrub, doch entgegen dem Gefühl des Abrutschens, gab mir meine Blogger-Welt im Gegenteil einen Halt. Wir alle verstanden einander und fühlten mit, versuchten zu helfen, auch wenn wir uns selbst nicht helfen konnten.
Denn so kann eine Schlinge gleichzeitig ein Rettungsring sein.

Die Mitte

 

Keine Kraft zum Kämpfen hat
Wer keinen Mut zum Träumen,
Doch wer das ganze Leben träumt
Der wird so viel versäumen.

Fehler können lehrreich sein
Drum schäm dich nicht deswegen,
Doch wer nicht auch was richtig macht
Liegt immer nur daneben.

Man kann ganz optimistisch sein
Und nur das Gute sehen,
Vergessen soll man trotzdem nicht
Was Schlimmes kann geschehen.

Einzusehen, dumm zu sein
So sagt man, das ist Wissen,
Doch ehrlich, war je schon einmal
Ein Sprichwort so beschissen?

Ich denke, die Weisheit zu suchen ist bloß
Ganz und gar menschliche Sitte,
Denn eigentlich wissen wir alle ja
Die Wahrheit liegt meist in der Mitte.
 

gedicht

vor allem

dann fängt man an

scheiße zu bauen

 

zu schneiden

zu rauchen

zu trinken

 

am ende kommen alle mit

wieso hast du mir nichts davon erzählt

 

obwohl es doch eh alle

nie gejuckt hat

backen

Los jetzt. Los geht´s. Startlinie. Starten, wohin? Überhaupt, bin ich nicht längst im Rennen? Ein Etappenrenne vielleicht. Immer wieder starten und ans Ziel kommen. Losziehen und ankommen. Das ist das Leben. Bergab, bergauf, in Wüste und Arktis. Starten und ans Ziel kommen. Immer wieder. Ein Schritt nach dem anderen. Kleine Brötchen backen. Das haben sie immer gesagt. Backen. Kleine Brötchen. Dabei will ich gar nicht Bäckerin werden. Ich will starten und ans Ziel kommen. doch was ist das Ziel? Ein Brötchen. Starten und ein Brötchen backen. Wieder starten, noch ein Brötchen. Und immer so weiter, bis man - ohne es zu merken - Bäcker ist.

Kämpfer

Kämpfer

Da denkst du dir, es ist geschafft,
du hast dich endlich aufgerafft,
jetzt wird es steil nach oben gehen,
wirst Himmel weit und Sonne sehn.

Stattdessen stehst du bald im Wald
Und auch der Weg, so klar er war,
ist wieder dunkel, trüb und kalt,
als wäre er dies immerdar.

Doch nein, verzweifle nicht,
du Kämpfer, bald kommt wieder Licht,
du Kämpfer, kannst du´s mal nicht sehn,
du Kämpfer, musst du weiter gehn.

Denn eins steht eben fest,
das Leben leben lässt
sich nicht auf gradem Weg,
und manchmal läuft was schräg,
geht aufwärts oder ab,
mal breit die Bahn, mal knapp.
Drum laufe, Kämpfer, lauf!
Gib alles, nur nicht auf!

Was ich so tu

Ich

holper

und polter

und ruckel

und zuckel

und stolpere so durch den Tag

Ich

weine

und lache

und schreie

und mache

was immer ich eben so mag

Ich

liebe

und lobe

und hasse

und tobe

und fühle mit ganz viel Gespür

Ich

zitter

und bebe

und atme

und lebe

und weiß aber gar nicht wofür

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